Die Normalisierung von High-Tech-Sicherheitsmaßnahmen

von Georgios Kolliarakis

Am 19. und 20. April 2011 fand zum dritten Mal in London die CounterTerrorExpo, eine jährliche Messeausstellung über aktuelle Anti-Terrorismus-Technologien, statt.

Der Fokus lag dabei laut offizieller Webseite auf Biometric Solutions, Explosive and CBRN Detection and Protection, Covert Surveillance Systems, Database Management and Security Systems, Emergency Response Equipment, Screening and Scanning Equipment, Image Recording and Processing, um nur die wichtigsten Ausstellungsthemen zu erwähnen (die vollständige Liste hier). Die CounterTerrorExpo 2011 wurde laut Organisatoren von über 8.000 internationalen Teilnehmern besucht, die hauptsächlich aus dem privaten und öffentlichen Sektor kommen und Entscheidungs- bzw. Einflusskapazität haben, wie z.B. Vertreter des Militärs, der Polizei, der Grenzkontrolle sowie der Nachrichtendienste, Operatoren von kritischen Infrastrukturen wie von Flughäfen, nationalen Transportwegen sowie von Logistikunternehmen, und der Finanz- und Versicherungsdienste (Profile der Besucher hier und hier).

Der unumstrittene und wachsende Erfolg dieser Veranstaltung ist laut Organisatoren dadurch zu erklären, dass sich erstens „Instabilität“ und „Spannungen“ global vermehren und sich daher staatliche und nicht-staatliche Akteure einer erhöhten „Gefahr“ durch den „internationalen Terrorismus“ ausgesetzt sehen (Quelle). Zweitens liegt der Mehrwert der CounterTerrorExpo darin, dass Entscheidungsträger und Stakeholder mit Experten aus der High-Tech-Industrie zusammen kommen, um die anspruchsvolle und komplexe Aufgabe der Definition und Entwicklung von „robusten“ „Verteidigungsansätzen“ gegen terroristische Anschläge zu gestalten, sowie Partnerschaften und Kaufverträge abzuschließen (Quelle).

„Counter Terror Expo delivers both focus and clarity to the complex and multifaceted task of protecting people and assets from those with the intent to do harm“

Expo-Organisationsteam (link)

Die CounterTerrorExpo ist das neueste Beispiel eines Trends, der mit Security Essen bereits vor Jahren angefangen hat – Security Essen findet 2012 zum 20. Mal statt – und an Akzeptanz und Popularität gewinnt: Sicherheitstechnologien werden nicht mehr hinter verschlossenen Türen weit weg von der Öffentlichkeit entworfen oder in Auftrag gegeben. Solche Messen bringen auf transparente Weise Produzenten und Interessierte zusammen, die Namen und die Funktionen der teilnehmenden Experten, Stakeholdern und Entscheidungsträgern sind so für alle sichtbar. Ein weiteres Merkmal dieses Trends ist darüber hinaus die High-Tech Ausrichtung der Sicherheitsmaßnahmen: So gewinnt der komplexe Schutz vor Terrorismus einen pragmatischen Charakter.

Es wird allmählich klar, dass der Anspruch auf proaktive Sicherheitspolitik – bereits vor Jahren von einigen Analysten formuliert – nur durch die Entwicklung von hochtechnologisierten Instrumenten und Prozessen realisiert werden kann. Vielmehr scheinen nationale und internationale Institutionen wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Deutschland in seinem „Programm für die Zivile Sicherheit“ oder das Directorate General „Enterprise and Industry“ der EU Kommission im Rahmen des 7. Framework Programme in ihren Förderinitiativen genauso auf die Dimension der Sicherheit der Bürger zu fokussieren, die mit dem Schutz der allgegenwärtigen kritischen Infrastrukturen eng verbunden ist.

Angesichts der als akut wahrgenommenen gesellschaftlichen Gefährdungen sowie der Potenzials an High-Tech-Expertise und -Produkten in Europa ist der Einsatz von Überwachung, Mustererkennung, sowie Screenern und Scannern in öffentlichen Räumen immer weniger umstritten und wird als immer mehr notwendig und normal wahrgenommen, um effektivere Sicherheit zu gewährleisten. Somit ist der Trend nicht nur ein Indiz für einen Wandel der Sicherheitspolitik, sondern auch für einen tiefer greifenden Wandel der Sicherheitskultur in westeuropäischen Ländern, der zunehmend auch von der breiten Öffentlichkeit mitgetragen wird.

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