Sicherheitskultur im Wandel

Sicherheitskultur im Wandel

Sicherheitskultur bezeichnet die Gesamtheit der Überzeugungen, Werte und Praktiken von Individuen und Organisationen, die darüber entscheiden, was als eine Gefahr anzusehen ist und mit welchen Mitteln ihr begegnet werden soll. Sicherheitsbedrohungen existieren nicht einfach, sondern sind zumindest teilweise durch gesellschaftliche Normen und Praktiken konstruiert. Diesen und weiteren Fragen gehen wir hier im Forschungsblog des Sicherheitskultur-Projektes nach.

(Morgen)Dämmerung vor Gericht

von Maik Fielitz

Am 20. April beginnt der lang erwartete Prozess gegen die Führungsriege und Mitglieder der sog. Sturmtruppen der griechischen Goldenen Morgenröte (Χρυσή Αυγή – XA). Insgesamt 69 Angeklagte müssen sich für die Bildung bzw. die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation verantworten. Es stehen Anklagepunkte wie Mord, Körperverletzung, Bestechung und Schutzgelderpressung im Raum. Trotz der deutlichen Ausgangslage liegen die konkreten Organisationsstrukturen weithin im Dunkeln, wodurch eine Rädelsführerschaft schwer nachzuweisen ist. Andererseits wird der Prozess auch Verbindungen in den ‚politischen Mainstream‘ deutlicher machen als es manchem Akteur lieb sein wird, was wiederum neue Herausforderungen für die Unabhängigkeit des Verfahrens mit sich bringt.

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Bounded Rationality and the Muslim Brotherhood in Egypt: Maximisation of Self-utility or Public Interest

by Hakim Khatib

Political rationality as a theory is important in its own right. Government leaders must calculate political costs such as the resources needed to generate support for a policy, the implications of a policy decision for re-election, and the possibility of provoking hostility for decisions not well received. Bounded rationality approach has yielded an enhanced understanding of how government organizations may produce unexpected or even unpredicted policy or program results. With public organizations not operating under full rationality conditions, administrators aspiring toward rationality may nonetheless find their goals undermined by a variety of forces, such as informational uncertainties and non-rational elements of organisational decision-making.

Organisational procedures and constraints may come to shape political attitude and decision making at the highest levels. The theory of rationality, as explained by Anthony Downs, claims that individuals in political and governmental arenas are guided by self-interest as they pursue choices with the highest levels of utility. Government officials and political parties, for instance, seek to maximize support from voters. In his article “A theory of the calculus of voting” for the American Political Science Review, William Riker explained that the focus of political rationality should be on how individuals decide with information available 
to them, from knowledge of their own preferences or through the consequences of alternatives themselves. Individuals are assumed to act “as if” they decided according to principles such as utility maximization and the pursuit of self-interest. mehr...

„Kann die NSA meinen Penis sehen?“

von Martin Schmetz

So die Frage im Interview von John Oliver mit Edward Snowden. Vorher war es um die Enthüllungen Snowdens gegangen, die angeblich so große Wellen gemacht und das Thema Überwachung und Privatsphäre in den Köpfen der Menschen verankert hatten. In einer nicht unbedingt repräsentativen Umfrage für Olivers Sendung „Last Week Tonight“ auf den Straßen New Yorks wurde diese Idee gänzlich demontiert: Kaum jemand erinnerte sich an Snowden – und wenn, dann nicht im richtigen Kontext. Privatsphäre und Überwachung waren und sind schlicht zu sperrige Themen.

Gebetsmühlenartig wiederholen zwar die Vertreter der Netzgemeinde, dass diese sperrigen Themen sehr konkrete Auswirkungen auf die einzelne Person haben, doch es brauchte scheinbar einen Comedian um das Thema auf eine für die Öffentlichkeit relevante Frage runterzubrechen: Kann die NSA meinen Penis sehen? Passender, und geschlechterneutraler, formuliert wäre es wohl: Kann die NSA meine Nacktbilder sehen. Snowdens Antwort war eindeutig: Ja. Das war sogar deutschen Medien eine Meldung wert – und das obwohl auch hierzulande der Diskurs zu diesem Thema eingeschlafen ist. mehr...

Mobilisation and Contestation Between Egyptian Student Movement and the State

by Hakim Khatib

The role of social groups in making historical events succeed takes shape according to two important factors: Their ability to change and the kind of their contribution to the development of that change in a way or another. The role of social groups especially emerges at times of revolutions and their subsequent changes on the political, socioeconomic and even intellectual levels. The most active and capable group to achieve change is the group of youth and students. In the revolutionary movements in Latin America, for instance, students prominently contributed to the fall down of long-lasting totalitarian dictatorships such in Chile, Brazil and Argentina. In the Arab uprisings in 2010-2011, students’ roles varied from one country to another based on three axes of context, networks and contentious practices. This article expands on the role of Egyptian student movement in thriving for change despite the intensified restrictions by the state and how it continued its protest under repressive circumstances as a political actor.

Mansoura Uni students want to topple Uni president who was appointed by Mubarak's regime | CC BY-NC-SA by  Mohammad A. Hamama

Mansoura Uni students want to topple Uni president who was appointed by Mubarak’s regime
CC BY-NC-SA by Mohammad A. Hamama

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Schöne Feiertage!

In den letzten Wochen war einiges los auf dem Sipoblog! Erst gab es die Artikelreihe zu Cyberpeace, um all den negativ besetzten Cyber-Präfixen etwas positives entgegenzusetzen. Danach lief die von Janusz organisierte Artikelreihe zum ‘Islamischen Staat’, die bereits 21 Blogposts umfasst!

In nächster Zeit stehen aber ebenfalls spannende Themen an, etwa die Studentenproteste in Ägypten, die Proteste gegen TTIP oder das Superwahljahr für Westafrika. Erstmal wünschen wir euch aber ein paar erholsame Feiertage! Und wer Lust hat auf interessante Texte: Una Hajdari und Krsto Lazarevic haben über die IS-Rekrutierung in Bosnien und Herzegowina geschrieben, Andrew Phillips über “The Islamic State’s challenge to international order” und drüben beim Bretterblog thematisiert Felix Anderl “Chinas Entwicklungsbank AIIB: Der Weltbank hässliches Schwesterlein?

Erholt euch gut, bis nächste Woche!

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Zwischen Paranoia und Propaganda: Jihadistische Gruppierungen und ihre IT-Sicherheit

von Martin Schmetz

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Teil XXI unserer Serie zum “Islamischen Staat”
Islamistische Terrorgruppen setzen in mehrfacher Hinsicht auf das Internet. Für islamistische Gruppierungen wie Al Qaida oder den islamischen Staat stellen eigene Foren und Webseiten, Instant Messenger wie Kik oder WhatsApp sowie soziale Medien wie Twitter, Facebook oder Ask.fm eine wichtige Plattform für Propaganda, Rekrutierung sowie Organisation und Logistik dar. Auf diese Infrastruktur zu verzichten würde den Verzicht auf ein extrem mächtiges Werkzeug bedeuten. Auf der anderen Seite ermöglicht die Nutzung dieser Dienste auch die leichtere Überwachung durch Geheimdienste. Auf diesen Zwiespalt haben islamistische Gruppierungen mit unterschiedlichen Strategien reagiert. Wie lösen der Islamische Staat und al-Qaida diese Spannung auf? Und was bedeutet dies für westliche Staaten? In diesem Post soll darauf eingegangen werden.

Es sei darauf hingewiesen, dass einige Links direkt auf Anleitungen und Texte von Untersützern jihadistischer Terrororganisationen verweisen. Wer sich unwohl dabei fühlt, sollte bitte Vorsicht bei Klick auf Links walten lassen. mehr...

CfP zur interdisziplinären Konferenz des Forums Privatheit: Die Zukunft der informationellen Selbstbestimmung

Am 26. und 27. November 2015 veranstaltet das “Forum Privatheit und selbstbestimmtes Leben in der Digitalen Welt” eine Konferenz zum Thema “Die Zukunft der informationellen Selbstbestimmung”.

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Das Superwahljahr 2015: Chancen für demokratischen Wandel in Westafrika? Teil 1: Nigeria

2015 – ein Superwahljahr mit ungewissem Ausgang!

von Kai Striebinger

Ebola in Liberia, Sierra Leone und Guinea; Boko Haram in Nigeria; Revolution in Burkina Faso. Politische Entwicklungen in Westafrika sind Teil der täglichen Berichterstattung in Deutschland. Diese Ereignisse bieten Anlass, sich mit den politischen Strukturen und potentiellen Entwicklungen der Regime in Westafrika zu beschäftigen. In fünf westafrikanischen Ländern sind 2015 Präsidentschaftswahlen geplant. Nigeria macht am 28. März den Anfang. Es folgen dann Togo (Mitte April), Burkina Faso, Guinea und Côte d’Ivoire (alle im Oktober).

Dieser Beitrag ist der Beginn einer vierteiligen Serie zu diesen Wahlen. Im ersten Teil werden allgemeine Trends der Regimeentwicklung in Westafrika vorgestellt und eine Analyse der Situation in Nigeria präsentiert. Im zweiten Teil geht es dann um die Wahlen in Togo, im dritten um die Wahlen im Oktober und schließlich im letzten Teil um einen Vergleich der fünf Wahlprozesse. mehr...

Returning from the ‘IS’ – Experiences from the counseling service HAYAT-Germany

Von Julia Berczyk

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Teil XX unserer Serie zum “Islamischen Staat”
Persons traveling to participate in foreign conflicts by no means constitute a new phenomenon that is intrinsically tied to the ‘Islamic State’ (‘IS’). However, law enforcement agencies all over the world increasingly focus on foreign fighters travelling to Syria and Iraq due to a considerable rise in their number as well as the perceived threat they pose upon their return. Currently, around 650 German residents and citizens have travelled to the region to support jihadist groups such as the ‘IS’.

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Im Netz gegen Dschihadismus: Prävention mittels sozialer Medien

Von Patrick Möller

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Teil XIX unserer Serie zum “Islamischen Staat”
In dem Maße wie islamistische und dschihadistische Netzwerke die sozialen Medien zur Verbreitung ihrer Ideologie nutzen, bieten diese auch die Chance zur Prävention. Dies kann gleichwohl zum Spagat werden, wie im Folgenden anhand von Beispielen dargelegt wird.

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Muslim Critique of IS Ideology

Von Hazim Fouad

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Teil XVIII unserer Serie zum “Islamischen Staat”
The burning of the Jordan pilot Muath al-Kasasbeh created a worldwide outcry, which was noticeably vocal in the Islamic world. Not only were we able to see people taken to the streets, we could also witness an utter condemnation of this act by prominent religious institutions like al-Azhar. Moreover, even before this terrific event the so called Islamic State (IS) has been criticized on various occasions by prominent Muslim scholars. The common trope these statements share is that despite its name, IS does not represent “true Islam”. The most prominent document in this regard surely is the open letter, which was addressed to Abu Bakr al-Baghdadi, the self-proclaimed “caliph” of IS, signed by 174 prominent Muslim figures and spokespersons from all over the world and which has been translated into multiple languages. The Facebook group that formed around this letter has currently reached over 100.000 likes and has developed into a hub for people from all over the world, who oppose IS ideology from a Muslim perspective. Although there has been some media coverage mentioning the publication of the letter, its actual contents have not been discussed very much in detail so far. So what does the document actually say? Let’s have a closer look:

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How to deal with ISIS? Lessons Learned from Afghanistan

Von Thomas Müller

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Teil XVII unserer Serie zum “Islamischen Staat”
Obama is often criticized for not allowing “boots on the ground” against ISIS. But lessons learned from Afghanistan show that there are no simple military solutions to political problems. Achieving a sustainable success will not be possible without a long term political commitment to the region.

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Vergesst Assad

Von Bente Scheller

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Teil XVI unserer Serie zum “Islamischen Staat”
Wenn man einen Tyrannen nicht stürzen kann, müsse man eben mit ihm kooperieren – so augenscheinlich die Schlussfolgerung der internationalen Gemeinschaft aus dem Desaster, das sich in den vergangenen vier Jahren in Syrien entfaltet hat. Sah es 2011 so aus, als seien Bashar al-Assads Tage gezählt, mehren sich die Stimmen, ihn als Teil der Lösung zu betrachten, wie der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, unlängst in Wien verkündete.

Je systematischer und brutaler Syriens Diktator die Menschenrechte missachtet, desto mehr erscheint er in manchen Kreisen als potentiell verlässlicher Partner. Das hat er im Wesentlichen der islamistischen Terrorarmee ISIS zu verdanken. Wenngleich es kaum Gräuel an Zivilisten gibt, die das Regime nicht verübt und obwohl es dies in einem weitaus größeren, tödlicheren Maße tut, wird Assad gerne als „geringeres Übel“ bezeichnet.

Die Schlussfolgerung, wenn man Assad als Partner im Kampf gegen den Terrorismus gewinnen könnte, ließe sich damit die Situation in Syrien befrieden, ist so berückend in ihrer Schlichtheit wie unausgereift, wenn es an die Umsetzung geht. Um den Kampf gegen ISIS gewinnen zu können, bedarf es dreierlei: der Mittel, des Willens und einer Strategie.

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