Aufklärungs- und Kampfdrohnen: Waffen zwischen Krieg und Frieden

von Herfried Münkler

Die Ethik der Drohnen

Teil I unserer Artikelserie zur Ethik der Drohnen
Bild: Drone, Green Light von Truthout.org unter CC BY-NC-SA 2.0

Drohnen sind unheimlich: Sie sind klein und kaum sichtbar, und im Vergleich mit dem sonstigen Fluggerät sind sie leise und kaum hörbar. Sie können darum, wenn sie bewaffnet sind und nicht bloß aufklären sollen, aus buchstäblich heiterem Himmel zuschlagen. Drohnenangriffe erfolgen überraschend und plötzlich; gegen sie sind effektive Abwehrmaßnahmen unmöglich. Zudem ist immer öfter unklar, wer eigentlich der Angreifer ist. Der gibt sich nicht zu erkennen; so unsichtbar und lautlos, wie die Drohne gekommen ist, verschwindet sie auch wieder. Darin ist sie eher eine Waffe des Geheimdienstes als des Militärs. Sie ist nicht nur zwischen Militär und Geheimdienst, sondern auch zwischen Krieg und Frieden angesiedelt. Sie ist politisch gefährlich, weil sie eine Grenzziehung auflöst, die bislang zum Grundgerüst der weltweiten Sicherheitsarchitektur gehört hat.

Im Hintergrund der aktuellen Kampfdrohnendiskussion steht weniger die Frage, ob auch die Bundeswehr mit diesem Gerät ausgerüstet werden soll, als vielmehr ein über lange Zeit unbeachteter US-amerikanischer Strategiewechsel, der mit dem Übergang von Bush zu Obama erfolgte: Keine massiven Militärinterventionen mehr zum Zwecke des Staatsaufbaus oder einer Umgestaltung der Gesellschaft, durch die den Terroristen der Nährboden entzogen werden sollte, sondern selektive und doch omnipräsente Bekämpfung von Terroristen. Kampfdrohnen bekämpfen Terroristen mit ihren eigenen Methoden: plötzlich und überraschend. Drohnen sind hochgradig flexibel und global einsetzbar. So schnell, wie Terroristen ihre Operationsgebiete verlagern, folgen ihnen die Drohnen. Sie sind eine resymmetrierende Antwort auf die asymmetrische Herausforderung des Terrorismus. Was in der terroristischen Strategie des Terrorismus der Selbstmordattentäter ist, ist in der ‚westlichen’ Reaktion die raketenbestückte Drohne. Das suizidale Selbstopfer wird technologisch gekontert.

Offenbar sind solche Drohnen die strategisch effektivste Antwort, die der Westen auf die Herausforderung des globalen Terrorismus gefunden hat. Aber diese Antwort ist gefährlich, weil sie die Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden auflöst. Darin folgt sie den Vorgaben des Terrorismus, der sich genau in diesem Zwischenbereich angesiedelt hat. Die Bush-Administration hatte darauf mit der Ausrufung eines „Kriegs gegen den Terrorismus“ geantwortet, was heftig kritisiert worden ist. Die Verwendung des Kriegsbegriffs war eine eskalatorische Form der Vereindeutigung einer uneindeutigen Herausforderung. Die Reaktion mit Kampfdrohnen dagegen bleibt im Feld des Uneindeutigen. Sie kann auf die Kriegssemantik verzichten; genau das wird ihr von den Kritikern zum Vorwurf gemacht. Durchaus zu Recht. Man muss bloß wissen, dass die Alternative dazu die Rückkehr zum Kriegsbegriff ist. Nicht bloß darum, weil die meisten das nicht wollen, wird sich die Drohne als Waffe des 21. Jahrhunderts durchsetzen. Sie ist obendrein die Waffe postheroischer Gesellschaften, die ein hohes Maß an Sicherheit wollen, aber dafür nur geringe Opfer zu bringen bereit sind. Gegen diese Verbindung dürften moralische Argumente keine Chance haben.

Dieser Text ist zuerst erschienen bei MDR-Figaro (link) und wurde uns von HM zur Weiterveröffentlichung zur Verfügung gestellt.

6 Kommentare

  1. Jüngere Studien haben belegt, zwei Drittel der durch Drohnen Angriffe in Afghanistan und Irak ermordeten Menschen sind unschuldige Zivilisten.

    Wie kann der feine Herr de Maiziére uns da ernsthaft vorgaukeln wollen, es handele sich hier um eine effiziente und sichere Tötungsmaschine ?
    Indem es ihm einfach scheissegal ist, wie viele unschuldige afghanische Kinder und Frauen getötet werden in seinem Krieg !

    Es zeigt sich diese Ignoranz gegenüber schlimmsten Verbrechen ja auch an der Personalpolitik des Verteidigungsministeriums:
    Herr Oberst Klein (einer der zentral Verantwirtlichen des (Bundeswehr-Kunduz-Massakers) wurde erst kürzlich befördert.

    Ich bin entsetzt das sich eine derartige Diskussion über Tötungsmaschinen in Deutschland führen lässt. Ich hatte auf ein längeres Nachwirken der Schreken des zweiten Weltkrieges gehofft.
    Leider sehen wir diese Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechten und „Schutz vor Gewalt“ heute in allen möglichen Bereichen. Sei es die Gesundheitspolitik, der Umgang mit Behinderten, die (nicht vorhandene) Haltung gegenüber rechtsradikalem Terrorismus, der Sexismus und die mundtot gemachte Kindesmissbrauchsdebatte. In all diesen Themenbereichen geht es um illegitime Gewalt. Leider wird der zusammenhang verweigert und jeder der dies in der „Berliner Republik“ offen anspricht, schnell mundtot gemacht.

  2. „Jüngere Studien haben belegt, zwei Drittel der durch Drohnen Angriffe in Afghanistan und Irak ermordeten Menschen sind unschuldige Zivilisten.“

    Erfreulich. In konventionellen Kriegen liegt der Anteil der Zivilisten bei mindestens 90%.

    • Ja. Aber ist das überhaupt ein Krieg was die USA da angreift, entschuldigung, verteidigt mit ihren Drohnen? Ist es sinnvoll Einzelpersonen gezielt, oder spontan mit Raketen zu eliminieren, bzw auf gortete Handys zu schießen? Zudem weiß man beim Krieg, dass man im Krieg ist. Bei Drohnenangriffen wird man eher selten vorgewarnt, auch wenn man nichts verbrochen hat.Ich frage mich wie die USA reagiert, wenn man in ihrem Land auf KKK Mitglieder schießt, oder Drogenbosse, und dabei Zivilisten in Mitleidenschaft zieht. Genau das macht die USA. Sie schießt in fremden Ländern auf potentielle Terroristen. Ich dachte gleiches Recht für alle…?

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