Call for Papers: „Borders of Orders“ – Nachwuchskonferenz – Frankfurt a.M., 28.-29. November

Borders of Orders - Grenzziehungen, Konflikte und soziale Ordnung

Prozesse der Herstellung, Reproduktion und Infragestellung sozialer Ordnungen verlaufen regelmäßig über die Auseinandersetzung um Grenzen. Grenzen werden meist durch die Differenzierung gegenüber einem Außen gesetzt, um so Ordnung im Inneren herzustellen. Unterschiedliche Ordnungen werden wiederum in Konflikten oft dadurch herausgefordert, dass ihre Grenzen verschoben, durchlöchert, überlagert oder dekonstruiert werden. Diese können z.B. zwischen Freund und Feind, Recht und Verbrechen, Allgemeinwohl und Partikularinteresse verlaufen. Derartige Grenzziehungen können sowohl Strategien in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen als auch deren Ziel sein.

Auf der diesjährigen Nachwuchskonferenz des Exzellenzclusters “Normative Orders” an der Goethe-Universität Frankfurt am Main soll der Topos der Grenze in seiner Bedeutung für die Produktion und für Auseinandersetzungen um soziale Ordnungen aus interdisziplinärer Perspektive diskutiert werden. Maßgebend für die Diskussion soll ein weiter Begriff sowohl der Grenze als auch von sozialen Ordnungen sein. Grenzen müssen sich demnach nicht zwingend räumlich manifestieren, sondern können auch auf eine soziale Kategorie rekurrieren oder normativer Qualität sein.

Dieser Fokus auf die Grenzen von sozialen Ordnungen ermöglicht den Blick auf eine Vielfalt von Phänomenen, wie bspw. auf:

  • Die Auseinandersetzungen und Grenzziehungen zwischen einer zunehmend ubiquitären neoliberalen Wirtschaftsordnung und alternativen ökonomischen und sozialen Organisationsformen.
  • Entgrenzte Unordnung: Das Internet sieht sich zunehmender Verregelung und Verregelungsversuchen ausgesetzt, vor allem von staatlicher Seite. Gleichzeitig bietet die Abwesenheit von festen Grenzen und Regeln Raum für Konflikte. Zwischen den Fronten sitzen nationale und internationale zivilgesellschaftliche Akteure, die ebenfalls einen Partizipations- und Gestaltungsanspruch erheben. Kann man diese Spannungen auflösen? Und wenn ja, wie?
  • Das Verhältnis von Staat und Demokratie: Inwiefern beruht eine demokratische Ordnung auf einer klar abgegrenzten Gemeinschaft und bedarf eines Staates, der diese Gemeinschaft konstituiert und als abgegrenzte erhält? Oder auch andersherum: Bis zu welchem Grad kann eine demokratische Praxis darin bestehen, diese abgegrenzte Ordnung in Frage zu stellen und zu durchbrechen?
  • Grenzgänger: Das sind Menschen, die zwischen den Welten leben oder handeln und durch ihr Wirken ganze Gesellschaften zur Änderung bewegen können. Dies könnte theoretisch, performativ oder künstlerisch in mikro-soziologischen Studien dargestellt werden. Eine biographische Auseinandersetzung mit Einzelpersonen auf verschiedensten Wegen verspricht Einsicht in die Änderung sozialer Ordnungen.
  • Kunstpraxis: Künstlerisch-ästhetische Praktiken artikulieren verstärkt Forderungen nach politischer Wirksamkeit. Wie lassen sich die Ambitionen solcher Praxisformen nach grenzüberschreitenden Effekten in ihrem Spektrum der Kritik und der Herstellung neuer normativer Ordnungen sowie auf der Folie der konstitutiven Durchlässigkeit der Kunstgrenzen verstehen?

Weitere Themen könnten postkoloniale Ordnungen, Geschlechterordnungen, geographische Grenzen und Grenzkonflikte, die Utopie der Gemeinschaft, Migration, … oder auch ganz andere sein.

Die Konferenz findet am 28. und 29. November 2014 in Frankfurt am Main statt und richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen, die einen Beitrag zur Diskussion um Grenzziehungen und soziale Ordnung leisten wollen. Vorträge können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden, wobei Englisch dem internationalen Austausch förderlicher ist; sie können empirische Phänomene in den Blick nehmen, (meta-)theoretisch reflektieren oder sich künstlerisch mit Grenzziehungen auseinandersetzen.

Für die Konferenz können sowohl einzelne Papiere als auch gesamte Panels eingereicht werden. Um sich mit einem Einzelbeitrag zu bewerben, senden Sie bitte einen Abstract von maximal 200 Wörtern und kurze Informationen über sich an graduateconference@normativeorders.net. Um sich mit einem gesamten Panel zu bewerben, senden Sie bitte drei Abstracts (max. 200 Wörter) sowie den Namen eines Chairs und eines Discussants an die genannte Adresse - auch mit kurzen Informationen zu den Beteiligten.

Für die Konferenz steht Kinderbetreuung zur Verfügung. Zudem können sich bereits akzeptierte Vortragende um ein Reisestipendium bewerben. Das Vorgehen hierfür wird in der Annahme-Email ausführlich beschrieben. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an graduateconference@normativeorders.net.

Wieso posten wir diesen einen CfP? Erstens, weil ein Teil der Redaktion die Konferenz mit organisiert. Aber auch, weil die Redaktion zum großen Teil aus Nachwuchsforschern besteht und wir finden, dass Konferenzen, die diesen Forschern Raum bieten, unterstützt werden sollten.

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